Ich meine natürlich Covid-19 / Corona, aber wenn ich schon den drölftausendsten Beitrag zu diesem Thema verfasse, möchte ich wenigstens eine etwas poetischere Überschrift nutzen. Und vielleicht habe ich ein paar neue Gedanken, die für Euch interessant und hilfreich sind.

Vorneweg das Wichtigste, was jetzt gilt:

Private Veranstaltungen aus besonderem Anlass wie eben Hochzeiten und Taufen sind (in Berlin jedenfalls) seit dem 4. Juni mit bis zu 50 Personen im Freien und in geschlossenen Räumen erlaubt.

Eheschließungen fanden und finden sowieso immer statt. Von Bezirk zu Bezirk unterscheidet jedoch bis heute jedes Standesamt, wie viele Personen im Trauzimmer zugelassen sind.

Konkrete Infos muss aber jeder selbst beim zuständigen Standesamt in Erfahrung bringen.

Es wird aber immer besser und man kann sich auf eine relativ unbeschwerte Hochzeit freuen!

Übernachtungen in Hotels sind wieder uneingeschränkt (ok, mit 50% Belegung) möglich. Und da ich viele internationale Hochzeiten begleite und dementsprechend oft Gäste aus dem Ausland kommen:

Einreisende aus allen Risikogebieten im Ausland müssen sich vor der Einreise digital unter einreiseanmeldung.de anmelden. Vollständig geimpfte und genesene Personen können auf dem Portal auch Impf-, Genesenen- oder Testnachweise hinterlegen. Auch das ist endlich eine konkrete Regelung und damit eine starke Verbesserung nach dem Chaos der letzten Monate.

Ungeachtet aller Umstände hatte ich2021 viele unvergessliche Hochzeiten und freue mich schon auf 2022 und die vielen Paare, die ihre Hochzeiten verschoben haben.

Was wir allgemein wissen:

Das Planen einer Hochzeit machen seit dem Auftauchen von Corona immer weniger Spaß, weil dieses verdammte Virus uns in allen Lebensbereichen einschränkt und keiner wirklich weiß, was die Zukunft bringt. Heiraten kann man auch wunderbar zu zweit und das tun auch viele Paare, aber eine Hochzeit mit Gästen feiern…?

Das eigentlich Tolle bei Hochzeiten ist ja, dass sie Menschen vereinen und Familien und Freunde zu einem einzigartigen Fest zusammenbringen – was leider aktuell genau das Problem ist. Denn ganz abgesehen von der Rechtslage: Wer will seinen Gästen zumuten, von weit her anzureisen für die eigene Hochzeit?

Bisher haben deshalb viele die “Lösung” gefunden und die Hochzeit auf 2022, 2023 oder sogar darüber hinaus verschoben.

Bis dahin sollte die Coronakrise doch längst überstanden sein und wie die Schweinegrippe, Cholera oder Beulenpest kaum noch jemanden interessieren außer ein paar Historiker, oder?

Das Problem dabei ist aber: Jedes Jahr wird geheiratet. Das war immer so und das wird auch so bleiben. Aber wenn bereits die meisten 2020-Brautpaare verschoben haben, “streiten” sie sich mit den Brautpaaren von 2021 und 2022 um die wenigen Samstage und Freitage in der Hochzeitssaison. Viele Hochzeitslocations, aber auch Dienstleister rund um die Hochzeit werden die aktuelle Krise nicht überleben, was die Auswahl noch weiter reduziert.

Deshalb empfehle ich Euch Folgendes: Heiratet unter der Woche! Man kann ein großes Fest auch an einem Mittwoch feiern und sich hierfür zwei Tage freinehmen. Gesunder Egoismus ist hier angebracht, es ist Eure Hochzeit, die Gäste dürfen sich glücklich schätzen, von Euch eingeladen worden zu sein und mit Euch feiern zu dürfen.

Aber wer lieber das Wochenende behalten möchte: Heiratet im Herbst oder Winter! Der Oktober ist für mich – und das seit Langem, Indianerehrenwort! – der schönste Monat für Hochzeiten. Es ist nicht mehr so heiß wie im August und oft auch noch im September, aber immer noch sehr angenehm warm, die Bäume bekommen wunderbare Farben und ja, es kann auch mal regnen – aber Sommergewitter gibt es ebenso und im März/April/Mai dieses Jahr war es (viel zu) trocken und warm. Man kann es halt nicht wissen, aber bei allen meinen Oktoberhochzeiten hatte ich richtig schönes, sonniges und warmes Wetter – auch 2020.

Sollte der bereits bestätigte Termin für’s Standesamt oder die Kirche sich nicht verlegen lassen, dann habe ich gute Nachrichten für Euch: Seit Mitte 2020 habe ich auch in Berlin einige Hochzeiten fotografisch begleitet, wo ca. 30 Gäste bei der Trauung dabei sein durften – und anschließend auch gefeiert wurde mit einer zwar etwas reduzierten Gästezahl (ca. 60) , aber halt doch nicht “nur” mit der engsten Familie. Und man kann problemlos mit seinem Partner tanzen, in Innenräumen eine Maske aufsetzen, wenn man rumläuft und auf Abstand achten, ohne sich dabei schrecklich einschränken zu müssen.

Eine große Freie Trauung mit Trauredner/-in kann (und sollte) man dann nachholen, wenn alles wieder relativ planungssicher ist. In meinen Augen ist eine Freie Trauung einfach unübertroffen und kann ganz so gestaltet werden, wie Ihr es möchtet. Was im Standesamt und auch in der Kirche nur stark eingeschränkt möglich ist, da ist der Rahmen klar vorgegeben.

Und nach ca. 200 Hochzeiten, die ich fotografiert habe, kann ich ehrlich sagen, dass – für mich – Freie Trauungen am schönsten und emotionalsten sind.

Falls Ihr Euch bereits entschieden habt, Eure Hochzeit bzw. Hochzeitsfeier zu verschieben, rate ich Euch dringend:

Sagt so schnell wie möglich allen Bescheid! Den Gästen, aber auch allen anderen, die davon betroffen sind. Als Hochzeitsfotograf jongliere ich gerade auf meinem Kalender mit vielen sicheren und eventuellen Ausweichterminen meiner Brautpaare – und wenn ein Termin einmal bestätigt ist, muss ich allen anderen Paaren für dieses Datum absagen. First come, first served.

Meine persönliche Situation:

Natürlich habe ich vollstes Verständnis und auch viel ehrliches Mitgefühl für Paare, die ihre Hochzeit jetzt verschieben müssen – die Coronapandemie ist quasi die Definition von höherer Gewalt und wir alle sitzen im selben Boot. Nur: Ich lebe für, aber eben auch von Hochzeiten.

Genauer gesagt lebe ich von der Hochzeitsfotografie seit über acht Jahren, mache zwar auch viele Familienfotos und -reportagen, Künstler- und Businessportraits für Einzelpersonen und Firmen, fotografiere jedes Jahr auch ein paar Kitas – aber Hochzeiten bilden mit großem Abstand mein Haupteinkommen – und ich verliere aktuell jeden Tag Geld durch abgesagte und verschobene Aufträge.

Wenn Ihr eins “meiner” Paare seid und Eure Hochzeit verschieben wollt, dann stellt mich möglichst nicht irgendwann vor vollendete Tatsachen, sondern klärt bitte vorher mit mir ab, ob ich an dem neuen Datum noch frei bin. Bisher hat das übrigens sehr gut geklappt, wenn ich auf die vergangenen zwölf Monate zurückblicke.

Im “schlimmsten” Fall bin ich sonst nämlich bereits gebucht und das bedeutet für Euch: Euer Wunschfotograf (that’s me) muss ausgetauscht und ein Ersatz gefunden werden. Seit Jahren helfe ich Brautpaaren dabei gern, da ich gut vernetzt bin und einen Kreis toller Kollegen um mich habe, die sich völlig uneigennützig empfehlen, wenn sie selbst nicht verfügbar sind. Aber: Ich war bereits mehrere Stunden mit Euch, unserer Kommunikation und Eurer Hochzeitsplanung beschäftigt, vielleicht haben wir auch bereits Kennenlernfotos gemacht und recht wahrscheinlich habe ich anderen Paaren, die nach Euch bei mir angefragt haben, für Euer Hochzeitsdatum abgesagt. Genau für diesen Aufwand ist die Reservierungsgebühr, die ich – so wie fast alle Fotografen – erhebe. Sie ist Teil meines Gesamtpreises und ist nicht erstattbar.

Das ist bei Stylistinnen, Trauredner/-innen, DJs und allen anderen guten Geistern bei der Hochzeit nicht anders – versucht also, alle mit einzubeziehen, falls Ihr die Hochzeit verschieben möchtet. Danke!

Aber egal, wie die Umstände gerade auch sind: Lasst Euch die (Vor-)Freude an Eurer Hochzeit nicht nehmen! Jetzt erst recht! Allen Widerständen zum Trotz!

Nichts ist so stark wie Eure Liebe, Nichts kann sie aufhalten!

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